IMMER AKTUELL


von der verwaltung zum unternehmen

Wir gratulieren unserer Mitarbeiterin Maria Enns zum erfolgreichen Abschluss ihres Studiums Bachelor of Arts in Steuerrecht. In unserem Interview spricht sie über das spannende und aktuelle Thema ihrer Abschlussarbeit: "Von der Verwaltung zum Unternehmen - neue umsatzsteuerliche Rahmenbedingungen im Bereich öffentlich-rechtlicher Körperschaften". 

 

1. Wieso hast du dir das Thema ausgesucht?

Das Thema habe ich mir auf der einen Seite durch die Wichtigkeit und Aktualität ausgesucht und auf der anderen Seite, weil Umsatzsteuer mein "Lieblingsrechtsgebiet" ist. 

Interessant ist, dass durch einen Paragraphen das komplette System aller juristischen Personen des öffentlichen Rechts umgeschmissen und neu gedacht wird  bzw gedacht werden muss. 

Da im Rahmen einer Bachelorarbeit eine theoretische Auseinandersetzung eines speziellen Rechtsgebiets bzw eines speziellen Problems erfolgen muss, ergab sich die Möglichkeit einer Auseinandersetzung mit der neuen Umsatzbesteuerung von juristischen Personen des öffentlichen Rechts und deren Rechtsfolgen sowie Ausmaße.

 

2. Wer ist betroffen?

Betroffen sind alle Rechtsgebilde, die in Form einer juristischen Person des öffentlichen Rechts agieren.

 

3. Was sind die neuen Rahmenbedigungen?

Die neuen Rahmenbedingungen werden durch § 2b UStG abgesteckt. Um es ganz einfach auszudrücken sind erstmals alle Handlungen der juristischen Person auf Hoheitlichkeit zu überprüfen. Alle Tätigkeiten, die aufgrund einer zivilrechtlichen Grundlage ausgeführt werden, müssen direkt nach den allgemeinen Bedingungen des Umsatzsteuergesetzes versteuert werden. Für diese Tätigkeiten gibt es keine Sonderregelung. 

Üben sie hingegen hoheitlichen Tätigkeiten aus und deren Nichtbesteuerung führt nicht zu einer größeren Wettbewerbsverzerrung, dann ist die juristische Person nicht als Unternehmer zu sehen, d.h. die Tätigkeiten sind nicht steuerbar. 

In den weiteren Absätzen des § 2b UStG erfolgen dann nähere Erläuterungen. In Absatz 2 wird das Nichtvorliegen einer Wettbewerbsverzerrung konkretisiert, d.h. es erfolgt eine Anlehnung an die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG. Diese besagt, dass Umsätze nicht der Umsatzsteuer zu unterwerfen sind, wenn sie 17.500 € nicht übersteigen. Dies ist bei der juristischen Person auf gleichartige Tätigkeiten anzuwenden. Folglich handelt es sich nach Absatz 2 nicht um eine größere Wettbewerbsverzerrung, wenn der juristischen Person aus gleichartigen Tätigkeiten weniger als 17.500 € Umsatz  zufließen. Ein weiterer Aspekt ist, dass diejenigen Tätigkeiten zu keiner größeren Wettbewerbsverzerrung führen, die unter privatrechtlichen Bedingungen nach § 4 ff. UStG von der Umsatzsteuer befreit sind. 

In Absatz 3 werden diejenigen Tätigkeiten zwischen juristischen Personen des öffentlichen Rechts beschrieben, die nicht zu einer größeren Wettbewerbsverzerrung führen.

Hier sind 2 Voraussetzungen zu prüfen. Erstmals ist zu prüfen, ob diese Tätigkeiten gesetzlich  nur von juristischen Personen ausgeführt werden können. Ist diese Voraussetzung zu bejahen, kann das Vorliegen einer Wettbewerbsverzerrung ausgeschloßen werden. 

Außerdem ist im zweiten Schritt zu prüfen, ob die Tätigkeit durch "gemeinsame spezifische öffentliche Interessen" bestimmt ist. Dies ist dann durch die untergeordneten Voraussetzungen a)-d) näher erläutert. 

In Absatz 4 sind diejenigen Katalogtätigkeiten genannt, die stets zu einer Unternehmereigenschaft führen.

 

4. Was ist die Lösung? 

Das ist eine gewagte Frage. Die Lösung ist sicherlich theoretisch wesentlich einfacher, als in der praktischen Umsetzung. Für mich ist die Lösung ein "Tax Compliance Management Sytem". Das ist eine Art innerbetriebliches Kontrollsystem. Alle Regeln und Tätigkeiten sind innerhalb dieses Systems enthalten und so könnten dann die Bereiche auf deren Rechtsgrundlage systematisch untersucht werden und eine Umstrukturierung erfolgen. Dies muss von der Behördenspitze erfolgen, damit es auch konsequent in alle Bereiche umgesetzt wird. Letztlich kann durch das Tax Compliance Management ein Qualitätsmanagement und auch eine Steuerabteilung in der jeweiligen Einrichtung der juristischen Person des öffentlichen Rechts eingerichtet werden und somit steuerliche Fragen und Problemstellungen gesetzlich korrekt aber dennoch optimal lösen.

 

5. Mit welcher Frage hast du in deiner mündlichen Prüfung nicht gerechnet?

 

In meiner mündlichen Frage wurde mir eine Frage zum Vorsteuerabzug gestellt. Die Frage lautete :" Kann ein Vorsteuerabzug erfolgen, wenn im Zeitpunkt der Anschaffung keine Vorsteuer gezogen werden durfte, sich allerdings nachträglich herausstellt, dass die Anschaffung nun mit einem umsatzsteuerpflichtigen Umsatz zusammenhängt?!" Diese Frage stellte auf § 15a UStG ab, der die Berichtigung des Vorsteuerabzugs thematisiert. Folglich ist der Vorsteuerabzug möglich, wenn sich innerhalb von fünf Jahren diese Verhältnisse ändern und die Anschaffung nun mit einem umsatzsteuerpflichtigen Umsatz zusammenhängt. In diesem Fall kann die Vorsteuer rückwirkend korrigiert werden. 

Sie haben konkrete Fragen zu diesem Thema an uns?

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Wir helfen gerne.



STARKER PARTNER

Wir gehören zu den Starken Partnern der Band "Koenige & Priester" und dürfen ihre Nord (Hannover, Tostedt, Bremen), sowie Ost Tour (Dresden, Zwickau) supporten. Wir lieben nicht nur ihre Musik, den Sound und die ermutigenden Texte, sondern schätzen auch ihr Herz für soziales Engagement mit Jugendlichen in Deutschland. Wer direkt in die Musik von Koenige & Priester hinein hören möchte, kann das auf iTunes, Amazon oder Spotify tun. Wir freuen uns auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit. 


verstärkung in unserem Team

Wir begrüßen Frau Ruhrmann als neue Steuerberaterin in unserem Team. Seit Anfang August verstärkt sie uns im Büro und ist schon jetzt eine große Bereicherung. Hier gibt es ein kleines Interview mit Frau Ruhrmann zum nachlesen:

 

1. Warum haben sie sich für den Beruf "Steuerberater" entschieden?

Ich habe den Beruf eher durch Zufall entdeckt. In einer Zeitungsannonce wurde damals Auszubildende zur Steuerfachangestellten gesucht. Darauf hin habe ich mich genauer mit dem Berufsbild Steuerberater und allem was dazugehört informiert. Nach der Ausbildung war mir sofort klar, dass ich den Weg über den Steuerfachwirt zum Steuerberater gehen möchte. Der Beruf bringt vielseitige Schichten der umfänglichen Mandatsbetreuung mit sich und wird nie langweilig. Außerdem ist es ein Beruf mit Zukunft und stetiger Veränderung.

 

2. Was machen sie besonders gerne?

Fachlich finde ich besonders umfängliche Einkommensteuererklärungen mit Vermietungsobjekten spannend, da hier viel Breitbandwissen gefragt ist. Ebenso gerne habe ich die persönlichen Termine mit Mandanten, da hier auch Wissen weitervermittelt werden kann.

In meiner Freizeit bin ich gerne sportlich aktiv. Ich gehe Toprope Klettern mit meinem Partner, tanze in einer Jazz und Modern Dance Formation im Turnverein 1894 Eitorf oder arbeite im Garten.

 

3. Wie stellen sie sich Steuerberatung in der Zukunft vor?

Die Zukunft wird auf jeden Fall immer digitaler. Die Buchführung befindet sich im Wandel und Geschäftsfelder ändern sich. Wichtig ist hierbei nie den Bezug zum Mandanten zu verlieren. Steuerberatung ist auch in Zukunft immer individuell und persönlich, da gerade in diesem Beruf viel Informationen des Mandanten nötig sind, um eine gute Beratung und Planung zu gewährleisten.

 

4. Was war für sie das lustigstes Ereignis in einer Steuerkanzlei?

Lustig ist tatsächlich, dass man als Steuerberater manchmal mehr mitbekommt, als der eigene Ehepartner. Wir haben die monatliche Buchführung eines Mandanten immer persönlich überreicht bekommen und dieser wollte noch kurz darüber sprechen. Er hatte ein neues Auto geleast, obwohl der vorherige Leasingvertrag noch nicht beendet wurde. Für die vorzeitige Beendigung musste eine Strafzahlung von ca. 10.000€ an das Autohaus geleistet werden. Nun bat uns der Mandant tatsächlich diesen Betrag möglichst unauffällig zu buchen, damit seine Frau davon nicht´s erfährt. Ihr hatte er nämlich zugesagt, dass die Auslöse ohne Aufpreis möglich wäre...Letzendlich hat er ihr es aber doch noch erklärt.